SAPIA Fair Trading Partner

SFTP Team

Keine Aktualisierung seit Mitte 2023: 
– SAPIA gliedert den Exportbereich für die kolumbianischen Handwerkssortimente aus.
– Die Organisation NEST übernimmt dies ab 2023.
– CONTIGO arbeitet infolgedessen mit NEST, nicht mehr mit SAPIA.

 

Kurzporträt von CONTIGOs Partner SAPIA Fair Trading Partner (SFTP)

Lieferkette

Handelspartner: SAPIA , mittlerer Betrieb
Funktion: Produzent, Exporteur und Dienstleister
Struktur: eigene Produktionsstätte, Satelites, verbundene Werkstätten
Handelsweg: Direktimport CONTIGO

Produkte

SAPIA koordiniert die Lieferungen von Doña Rosa, Arque Arte, Montezuma und Fussioni.

 

Bogotá nach Göttingen (Quelle: Google Earth)

Bogotá nach Göttingen (Quelle: Google Earth)

Standort

Bogotá, Kolumbien – Entfernung von Europa: 8.400km

Gründungsjahr 1997

Geschichte

  • 1997: Gründung von Piel Acida durch Ana Maria Piedrahita
  • 2009: Gründung von SAPIA (Zusammenschluss aus den Unternehmen Piel Acida und Salvarte)
  • 2014: Umstrukturierung: SAPIA Fair Trading Partner (SFTP) ist zuständig für Handwerksgruppen, Produkte und Export; El Market ist ausschließlich im Einzelhandel tätig
  • SFTP ist CONTIGOs Handelspartner
  • Ana Maria, Allgemeinmedizinerin und Homöopathin, macht ihr Hobby als Kunsthandwerkerin zum Beruf
  • Neben ihrer Arbeit als Ärztin experimentiert sie mit Orangenschalen und erfindet die Orangenschalenpüppchen
  • Zunächst Herstellung eigener Kreationen und Trocknung im Hof ihrer Eltern, mit stetige Zunahme der Produktion kann ein erster Trockenofen gekauft werden
  • 1997: Gründung Piel Acida („saure Haut/Orangenhaut“) nach erfolgreicher Messe in Bogotá; die erste Mitarbeiterin wird eingestellt
  • Nachbarn und Freunde sammeln die Orangenschalen für Piel Acida, später werden größere Mengen den Saftverkäufern auf der Straße abgekauft
  • 1999: Javier Cardenas wird eingestellt, Industrieingenieur, er optimiert die Betriebsabläufe, sodass das Verkaufsvolumen in kurzer Zeit verzehnfacht werden kann
  • 2000: Erster Messebesuch außerhalb Kolumbiens, Präsentation der Orangenpüppchen
  • 2002: CONTIGO lernt Piel Acida kennenSapia30
  • 2003: Entwicklung einer neuen Produktlinie: Herstellung von Ketten und Ohrringen aus Taguanüssen
  • 2009: Zusammenschluss zu „SAPIA“ (Piel Acida und Salvarte, eine inländische Ladenkette, die Handtaschen, Rucksäcke, Geldbörsen, Süßigkeiten anbietet), um neben dem ausländischen Markt auch den kolumbianischen Markt bedienen zu können
  • Zusammenschluss führt zur erhöhten Personaleinstellung sowie zu einer verbesserten innerbetrieblichen Organisation und Produktivitätssteigerung
  • Ana Maria (Designerin) arbeitet eng mit Greta Herbst (CONTIGOs Designerin) zusammen, um Produkte für den europäischen Markt zu entwickeln
  • 2012: Übernahme der Universitätskosten für drei Studenten, die bei Sapia arbeiten und die nach ihrer Ausbildung bei Sapia fest angestellt werden
  • 2013: Sapia bezieht ein neues Gebäude (3 Etagen)
  • 2014: Die ursprünglichen Unternehmensteile, durch deren Fusion SAPIA entstanden ist (Piel Acida und Salvarte), operieren wieder unabhängig voneinander: SAPIA Fair Trading Partner (SFTP) ist für Produktion, Export zuständig und „El Market“ steuert die Einzelhandelsläden unter diesem Namen
  • SFTP hat unabhängige Geschäftsführungen, unterschiedliche Räumlichkeiten und eigenständiges Personal
  • SFTP ist Handelspartner und Lieferant von CONTIGO
  • 2015-2018:  Erfolgreiche Eröffnungen neuer „El Market“ Shops in mittlerweile 5 Ländern (Kolumbien, Mexiko, Puerto Rico, Panama und Spanien)
  • 2020: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf SFTP:
    • Entlassungen, Lohnreduzierungen im zentralen Team, viele Mitarbeiter haben Zweitjobs. um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können
    • Einbruch des lokalen Markts, erhebliche Umsatzrückgänge bei den eigenen El Market Geschäften (Onlineshop wurde eingerichtet, um Verluste aufzufangen)
    • Regierungshilfen gelten nur für die „Sattelites“
  • 2022: Infolge der Corona-Pandemie gerät SAPIA unter finanziellen Druck, sodass das Unternehmen an neue Investoren verkauft wird. Strategie: Fokussierung auf Expansion der Einzelhandelsgeschäfte, Ausgliederung des Exportbereichs sowie der Zusammenarbeit mit den kleinen produzierenden Werkstätten
  • 2023: SAPIA´s ehemalige Exportleiterin Andrea Alvarez macht sich zusammen mit ihrem Ehemann selbstständig und gründet die Vermarktungsorganisation NEST, um den etablierten kleinen Herstellerbetrieben weiterhin Aufträge
  • 2023: CONTIGO arbeitet seitdem mit NEST (Andrea Alvarez) zusammen, nicht mehr mit SAPIA 

Zusammenarbeit mit CONTIGO seit 2002

Unternehmensstruktur

Anzahl der Mitarbeiter (Stand 2022): 

Die Menschen in und um SAPIA Fair Trading Partner (SFTP):

  • Direkte Mitarbeiter: 67 Frauen, 22 Männer
  • „Satellites“: saisonale Kräfte , die von zuhause aus arbeiten und per Stücklohn bezahlt werden: 6 Frauen
  • Mitarbeiter in den Partnerwerkstätten, die Produkte in Eigenregie fertigen: 41 (24 Frauen, 17 Männer), u.a.
    • Bei Doña Rosa: 7 Mitarbeiter (Rückgang aufgrund der Corona Pandemie, die anderen Mitarbeiter können je nach Auftragslage 2021 wieder aufgenommen werden), sowie drei Werkstätten
    • Bei Montezuma: 5 Mitarbeiter + Kooperation mit externen Werkstätten (30 Flechtern, je nach Auftragslage)
    • Bei Arque Arte: 3 Mitarbeiter + 2 Heimarbeiterinnen
    • Bei Fussioni: 8 Mitarbeiter
  • Organisation:
    • Geschäftsführer SFTP: Javier Cardenas Muller
    • Exportleitung/Qualitätsmanagement: Andrea Alvarez

Arbeitsstätten

A) Zentrale von SFTP: drei-geschossiges Gebäude:

  • Erdgeschoss: Lager , Pack- und Versandabteilung
  • 1. Etage: Produktion von Erstmuster, Herstellung von Dekorationen aus Orangenschale, Trocknungsöfen für Tagua- und Orangenschalenprodukte, Qualitätskontrolle, Gemeinschaftsbüro Buchhaltung, Vertrieb, Export, 3 Besprechungs- und Fortbildungsräume
  • 2. Etage: Büros für „El Market“, zwei Seminarräume , Gemeinschaftsküche mit Mikrowellenofen

B) „Satellites“ – Heimarbeiterinnen

  • 6 Frauen
  • Tätigkeiten: Zusammenstellen (Auffädeln) von Schmuckstücken
  • Alle 15 Tage bekommen sie ihr Geld ausgezahlt

C) Externe Partnerwerkstätten:

Doña Rosa – siehe hier

Montezuma – siehe hier

Arque Arte – Unternehmensportrait:

  • Produktionsort: Bogotá, nordöstlicher Stadtbezirk Usaquen
  • Geschäftsführer: Oscar Jaime Santa
  • Anzahl der Mitarbeiter: 3 Festangestellte und 2 Heimarbeiterinnen
  • Struktur / Organisation:
    • Herstellung der An- und Ohrhänger in der zentralen Werkstatt
    • Zusammenstellen der Ketten erfolgt von den „Satellites“ in Heimarbeit
    • Materialien:
  • Hintergrund: Oscar Jaime Santa hat ca. 2008 die Werkstatt von seiner Tante übernommen und stellt bis heute den präkolumbianischen Goldschmuck unverändert her
  • Vertrieb: überwiegend an Souvenirshops, sowie an das Museum für präkolumbianischen Goldschmuck in Bogotá, nur kleiner Teil wird exportiert (Australien, Mexiko, Philippinen, Deutschland)
  • Bezahlung:
    • Heimarbeiterinnen erhalten Stücklohn
    • Festangestellte Mitarbeiter/innen erhalten 15% mehr als der kolumbianische Mindestlohn (COP 877.803/Monat)
  • Festangestellte Mitarbeiter/innen erhalten die gesetzlich vorgeschriebenen Vergütungen:
    • Zahlung des 13. Monatsgehalts  („cesantía“): dieser wird Anfang des Jahres direkt in einen staatlichen Pensionsfond eingezahlt, der/die Mitarbeiter/in erhält die Zinsen (12%) ausgezahlt
    • Zahlung des 14. Gehalts / Urlaubsbonus („prima de servicios“)
    • Anfahrt zur Arbeitsstätte wird zusätzlich zum Lohn bezahlt (COP 102.854 / Monat)
    • Überstunden werden nach gesetzlichen Vorschriften vergütet
  • Festangestellte Mitarbeiter/innen erhalten folgende Sozialleistungen:
    • Krankenversicherung: Arbeitgeber zahlt 8,5%, Arbeitnehmer zahlt 4% vom monatlichen Bruttolohn ein
    • Rentenversicherung: Arbeitgeber zahlt 12%, Arbeitnehmer zahlt 4% vom monatlichen Bruttolohn ein
    • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bei Unfällen und während des Mutterschutzes entsprechend der gesetzlichen Regelungen
    • Bezahlter Urlaub (20 gesetzliche und religiöse Feiertage, plus 15 Tage Erholungsurlaub)
    • Für alle Mitarbeiter/innen zahlt Arque Arte  in die Unfallversicherung ein
    • Arque Arte zahlt auf den Gesamtbetrag seiner Gehaltskosten die verpflichtenden Sozialabgaben an folgende Einrichtungen: den nationalen Berufsbildungsdienst SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje), das staatliche Familienhilfswerk ICBF (Instituto Colombiano de Bienestar Familiar), sowie die diversen Familienerholungswerke (Cajas de Compensación Familiar)

Vertrieb

  • 10,5% Export durch SFTP (USA, Italien, Deutschland, Niederlande, Puerto Rico, Kanada, Australien, Panama)
  • 89,5 % Einzelhandelsumsatz durch El Market

Ziele

  • Weiterentwicklung des Kunsthandwerks in Kolumbien
  • Finanzielle Unterstützung der Mitarbeiter während der Ausbildung an der Universität
  • Beschäftigung einer größeren Anzahl von heimischen Designern, um das Traditionelle in den Produkten zu bewahren
  • Erschließung neuer Lieferanten (Gerbereien, Tagua- und Lederwerkstätten)
  • Erschließung neuer natürlicher und umweltfreundlicher Materialien, verbunden mit wettbewerbsfähigen Designs und Qualitäten
  • Erschließung neuer Kundenkreise, die das Konzept des Fairen Handels verstehen, fördern und anwenden
  • Gewinnung neuer Kunden im Schmuckbereich (hier konnte Sapia durch ihre Einzelhandelsläden viele Erfahrungen sammeln)

Besonderheiten

  • 2012/2013: Einführung eines neuen Notfall-Programms: Finanzierung der Medikamente für die Angestellten, Finanzierung der Operationskosten für die Angehörigen, Finanzierung von Haushaltshilfen in Notfällen
  • 2015: Die Personalabteilung wird ausgebaut, um den Bedürfnissen und Wohlbefinden der Mitarbeiter besser Rechnung zu tragen
  • 2018: Die Personalabteilung hat weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Erholungsangeboten ergriffen, z.B. Angebot von Massagen, Ernährungsguides, zahnärztliche Vorsorge
  • 2020: Sapia baut einen Onlineshop mit Liefer-App für die eigenen El Market-Geschäfte auf
  • 2020: Ausbau der IT, um in der Corona-Situation auch aus der Ferne (z.B. von zu Hause) aus agieren zu können

Darum arbeitet CONTIGO mit SFTP: Atemberaubende Entwicklung einer langjährigen Partnerschaft. Deckungsgleiches Verständnis vom Fairen Handel. Sehr enge persönliche Beziehungen.

 

Einstufung des Fairtrade Handelspartners

FTA = Fairtrade Approved (Anerkannter Fairtrade Handelspartner)

 

Fairtrade Aspekte

SFTP verpflichtet sich, folgende Fairtrade Richtlinien einzuhalten:

Sapia22

Ausschluss von Kinderarbeit

Ausschluss von Diskriminierung

Keine Diskriminierung gegenüber Frauen, Menschen mit Behinderungen, Religionszugehörigkeiten, ethnischen Minderheiten, bestimmten sexuellen Orientierungen, politischen Zugehörigkeiten, HIV-Erkrankten

Bei SFTP arbeiten Menschen vieler unterschiedlicher Volksgruppen zusammen

Angemessene Bezahlung / Stand 2022

  • Mindestlohn bei SFTP: COP 1.270.937/Monat
    • Feste Gehälter in allen Abteilungen
    • Auszahlung am letzten Freitag des Monats per elektronischer Überweisung
  • Bonuszahlungen (oder Sachleistungen) für besonders engagierte Mitarbeiter/innen
  • SFTP leistet für seine festangestellten Mitarbeiter/innen die gesetzlich vorgeschriebenen Vergütungen:
    • Zahlung des 13. Monatsgehalts  („cesantía“): dieser wird Anfang des Jahres direkt in einen staatlichen Pensionsfond eingezahlt, der/die Mitarbeiter/in erhält die Zinsen (12%) ausgezahlt
    • Zahlung des 14. Gehalts / Urlaubsbonus („prima de servicios“)
    • Anfahrt zur Arbeitsstätte wird bezahlt (COP 102.854 / Monat)
    • Überstunden werden nach gesetzlichen Vorschriften vergütet
  • Arbeitskleidung wird zweimal jährlich bezahlt

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Arbeitszeit:

  • Reguläre Arbeitswoche: 40 Stunden
  • Kann in Übereinstimmung mit dem kolumbianischen Arbeitsrecht auf 48 erhöht werden, wenn erforderlich
  • Arbeitszeiten ab 48 Stunden gelten als Überstunden, für die ein Zuschlag gezahlt wird
  • 5 Tage/Woche

Soziale Leistungen:

Für alle festangestellten Mitarbeiter/innen zahlt SFTP in folgende gesetzliche Versicherungen ein:

  • Krankenversicherung: Arbeitgeber zahlt 8,5%, Arbeitnehmer zahlt 4% vom monatlichen Bruttolohn ein
  • Rentenversicherung: Arbeitgeber zahlt 12%, Arbeitnehmer zahlt 4% vom monatlichen Bruttolohn ein
  • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bei Unfällen und während des Mutterschutzes entsprechend der gesetzlichen Regelungen
  • Bezahlter Urlaub (20 gesetzliche und religiöse Feiertage, plus 15 Tage Erholungsurlaub)
  • Für alle Mitarbeiter/innen zahlt SFTP  in die Unfallversicherung ein
  • SFTP zahlt auf den Gesamtbetrag seiner Gehaltskosten die verpflichtenden Sozialabgaben an folgende Einrichtungen: den nationalen Berufsbildungsdienst SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje), das staatliche Familienhilfswerk ICBF (Instituto Colombiano de Bienestar Familiar), sowie die diversen Familienerholungswerke (Cajas de Compensación Familiar)
  • Freiwillige Übernahme von Extrakosten für Krankenhausbesuche
  • Gemeinsame Feiern für ein familiäres und freundschaftliches Arbeitsklima:
    • Jeden Monat werden die Geburtstage der Mitarbeiter gefeiert, die Geburtstagskinder erhalten zudem einen Gutschein im Wert von COP 50.000, den sie für einen Supermarkteinkauf nutzen können
    • Große Betriebsfeier am Jahresende mit gutem Essen und Abendprogramm
    • Die Personalabteilung organisiert jeden letzten Freitag im Monat ein Betriebsfrühstück
    • In der Weihnachtszeit gibt es  wöchentlich ein Betriebsfrühstück
    • Zu Halloween veranstaltet SFTP ein Kostümfest


Bildungsangebote:

  • Mitarbeiter können bei Interesse an der Universität studieren, Kosten werden übernommen und eingeschränkte Arbeitszeiten sind ohne Probleme möglich
  • SFTP ist Ausbildungsbetrieb:
    • Unternehmen ab einer bestimmten Größe sind verpflichtet, Auszubildende anzustellen
    • Auszubildende besuchen die  Schule für ein oder zwei Jahre, abhängig von der Fachrichtung
    • Bei SFTP selbst erhalten die Auszubildenden eine sechsmonatige praktische Ausbildung (bezahlt)

Transparenz

  • Arbeitsverträge sind vorhanden
  • Ordnungsgemäße Lohnbuchhaltung ist vorhanden
  • SAR (= Self Assessment Report) liegt vor

Monitoring

  • Durch persönliche Besuche bei „Piel Acida“ und „SAPIA“ in Bogotá (2006, 2011, 2013, 2015, 2017)
  • Überprüfungsgespräche während mehrerer Besuche in Deutschland

 

Länderinformation

Informationen über Kolumbien

 

Fotos

Besuch bei Sapia (Zentrale)

2013_Sapia2 2013_Sapia3 2013_Sapia1 Sapia20 Sapia24

Besuch  der Werkstatt Angel Azul: 

Sapia10   Sapia1   Sapia7

 

Sapia auf Vortragsreise in Deutschland 

Sapia35   Sapia46   Sapia21   Sapia40   Sapia34

Sapia19   Sapia45   Sapia26

Erster Besuch bei Sapia (Dezember 2006) 

Sapia28   Sapia47   Sapia42

Author: Janina Lange on 1. Juli 2023

Last articles