Afrikiko

Afrikiko

Kurzporträt von CONTIGOs Partner Afrikiko

Produkte

Aus Speckstein

Tabaka nach Göttingen (Quelle: Google Earth

Standort

Tabaka, Kenia – Entfernung von Europa: 6.000km

Gründungsjahr 1996

Geschichte

  • 1994/1995: GTZ–Mitarbeiter (jetzt GIZ-Mitarbeiter) entdeckt kenianische Specksteinfiguren, Vermarktung kann er aus beruflichen Gründen nicht übernehmen
  • 1995: GTZ-Mitarbeiter (jetzt GIZ-Mitarbeiter) bittet seinen Freund  Muriuki (Informatiker) und dessen Frau Dagmar (Sozialpädagogin), diese Specksteinprodukte auf der Importshop Messe/Berlin testweise zu präsentieren
  • März 1995: Erster Messestand von Afrikiko, organisiert und durchgeführt von Dagmar und Muriuki
    • Afrikiko wird als Aussteller auf Messe Ambiente eingeladen
    • Monika Herbst (CONTIGO) lernt Afrikiko kennen
    • Messe verläuft sehr erfolgreich
  • 1995: Erster Besuch von Muriuki und Dagmar bei CONTIGO in Göttingen. Vereinbarung langfristiger Zusammenarbeit
  • 1995/1996: Sechs Familien in der Specksteinproduktion in Tabaka tätig (22 Personen eingebunden)
  • 1996: Strukturaufbau durch Muriuki (Einstellung eines Vor-Ort-Managers)
  • 1997: Einstellung von drei Designern (Daniel, Shem, Moses)
  • 1997: Geringe Einnahmen durch kleine Bestellungen, hohe Messekosten
  • 1995-2003: Wirtschaftliche Entwicklung ist sehr schleppend
  • 2002: Dagmar beendet Tätigkeit als Sozialpädagogin
  • 2003: Dagmar übernimmt die Verkaufsleitung bei Afrikiko
  • Dagmar führt Verbesserungsmaßnahmen durch:
    • Verbesserung der Farbqualität
    • Entwicklung der Specksteinherzen
    • Veränderung der Farben, aus einheitlichen Rot-/ Schwarztönen entwickeln sich knallige Farben
    • 2004/2005: Sehr erfolgreiche Ausstellungen, Zugewinn neuer Kunden
  • Große Nachfrage nach Herzen und Eiern aus Speckstein, Eintreffen großer Bestellungen
  • 2005/2006: Starke Konkurrenz, Herzdesign wird von anderen Unternehmen in Tabaka kopiert
  • 2006: Neue Designentwicklung / Neue Kollektionen entstehen
  • 2006-2007: Umzug Muriukis nach Kenia, neben Arbeit für Afrikiko arbeitet er weiter als Informatiker
  • 2006: Einstellung einer Designerin (Yacintha)
  • 1. Hälfte 2007: Sehr erfolgreiches Jahr, Zugewinn neuer Kunden
  • 2. Hälfte 2007: Jahr der politischen Unruhen in Kenia, große Verluste
  • Eingeschränkte Produktion und Transportwege führen zu Lieferschwierigkeiten
  • Ab Mitte 2008: Stabilisierung der Wirtschaft und des Transportes
  • Sommer 2008: Greta Herbst (CONTIGOs Designerin) besucht Afrikiko in Tabaka; einen Monat Workshop mit den Designern vor Ort: Entwicklung neuer Produkte (z.B. Geo-Linie)
  • Seit 2009: Aufschwung bei Afrikiko, stabile Absätze, größere Aufträge
  • Ab 2010: Stärkere Beteiligung von Frauen in traditionellen Männertätigkeiten (Färben, Gravieren, Meißeln)
  • 2014: Umzug und Aufbau der Schnitzer-Werkstätten direkt an den unterschiedlichen Steinvorkommen

Zusammenarbeit mit CONTIGO seit 1996

Unternehmensstruktur

Anzahl der Mitarbeiter:

  • 17 Angestellte (8 Frauen und 9 Männer)
  • ca. 500 Handwerker/innen, aufgeteilt in
    • 140 Handwerker: Speckstein mit Schleifpapier waschen (überwiegend Frauen)
    • 80 Schnitzer (überwiegend Männer)
    • 80 Färber (davon 64 Frauen)
    • 60 Designer (überwiegend Männer)
    • über 100 Menschen in der Produktion von Taschen, Holzartikeln, Kalebassen und Perlendekorationen
  • 30 Werkstätten (12 werden von Frauen geführt)

Arbeitsorganisation:

  • Gründliche Ausbildung der Mitarbeiter vor der ersten Bestellung
  • Afrikiko stellt Rohmaterialien und Zubehör
  • Geld für Zusatzmaterial wird bereitgestellt

Arbeitsstätten:

  • Werkstatt: einstöckiges Wohnhaus
  • Aufbau:
    • 3 Büros
    • 1 Wohnküche
    • 1 Musterzimmer
  • Schnitzer arbeiten nun direkt an den verschiedenen Steinvorkommen

Vertrieb

  • 100% Export (Deutschland, USA, Italien, Großbritannien, Griechenland, Kolumbien, Finnland, Norwegen, Australien, Schweiz, Neuseeland)

Ziele

  • Einrichtung eines Wasserversorgungszentrums
  • Eröffnung eines Sozialzentrums (bereits 5 Räume angemietet) mit folgenden Aktivitäten:
    • Kinderbetreuung an den Nachmittagen
    • Hausaufgabenraum
    • Computerunterstütztes Lernen
    • Kinderbücherei
  • Einrichtung einer Kantine für Mitarbeiter Afrikikos und Einwohner Tabakas
  • Entstehung weiterer Unterstände, um Mitarbeiter vor Sonne und Regen zu schützen

Besonderheiten

  • Bevorzugte Einstellung von Menschen mit Behinderungen
  • Afrikiko legt großen Wert auf die private Fürsorge in den Familien
  • Handwerker, die sich besonders um ihre Familien kümmern, werden mit größeren Aufträgen gefördert
  • Aufbau eines Fußballvereins für Mitarbeiter Afrikikos

 

Darum arbeitet CONTIGO mit Afrikiko: Bei Afrikiko ist ein großer Zusammenhalt und viel Stolz auf das Unternehmen spürbar. Management und Mitarbeiter arbeiten sehr kollegial zusammen. Das Team hat einen hohen Grad an Selbstorganisation, dennoch gibt es eine klare Führung. Die Mitarbeiter betonen immer wieder, wie glücklich sie sich schätzen, in diesem Unternehmen arbeiten zu können.

 

Einstufung des Fairtrade Handelspartners

FTA PLUS = Fairtrade Approved PLUS (Anerkannter Fairtrade Handelspartner)

 

Fairtrade Aspekte

Monika Herbst (CONTIGO) zu Besuch bei Afrikiko 2008

 

Afrikiko verpflichtet sich, folgende Fairtrade Richtlinien einzuhalten:

Ausschluss von Kinderarbeit

Ausschluss von Diskriminierung

Keine Diskriminierung gegenüber Frauen, Menschen mit Behinderungen, Religionszugehörigkeiten, ethnischen Minderheiten, bestimmten sexuellen Orientierungen, politischen Zugehörigkeiten, HIV-Erkrankten

Bei Afrikiko arbeiten die unterschiedlichen Volksgruppen Kenias zusammen

Angemessene Bezahlung

  • Durchschnittslohn für Branche/Region: KSH 4.700/Monat (KSH=Kenianischer Schilling)
  • Gehalt bei Afrikiko: KSH 14.100-56.400/Monat
  • Wöchentliche Bezahlung wird auf eigenes Konto überwiesen
  • Bei Überstunden Erhöhung des Gehaltes um 30%
  • Weihnachtsbonus (1 Monatsgehalt)
  • Bezahlung eines Ferienbonus (wie Urlaubsgeld)
  • Am Jahresende: Gewinnbeteiligung: 30% vom Gesamterlös

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Arbeitszeit:

  • 8 Stunden/Tag
  • 2 Pausen (Frühstück, Mittag)
  • 6 Tage/Woche

Soziale Leistungen:

  • Krankenversicherung nach deutschem Modell (Hälfte des Betrages zahlt Afrikiko, die andere Hälfte zahlt Mitarbeiter)
  • Bezahlter Urlaub (30 Tage)
  • Transportkostenzuschuss
  • Vereinbarung mit ortsansässigem Krankenhaus, dass die Handwerker in Tabaka kostenlos medizinisch betreut werden
  • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
  • Kostenloses Mittagessen und tägliche Milchration für alle Mitarbeiter
  • Stellung der Arbeitskleidung (Handschuhe, Mundschutz)
  • Wohnmöglichkeiten werden zur Verfügung gestellt, seit 2012 Zukauf eines zusätzlichen Bürogebäudes für weitere Wohn- und Schlafmöglichkeiten
  • Teil der Lohnzahlung geht auf Sparkonto, anderer Teil auf Familienkonto, Handwerker entscheiden selbst, wie viel Geld sie monatlich sparen wollen
  • Sicherstellung durch Afrikiko, dass jeder Handwerker ein Guthaben hat, welches im Notfall das Familieneinkommen für 3 Monate sichert
  • Unverzinste kurzfristige Darlehen für Notlagen, besondere Familienereignisse, Schulgeld oder privaten Hausbau
  • Langfristige Darlehen werden für den Bau einer eigenen Werkstatt vergeben, Rückzahlung erfolgt in moderaten Raten bei jedem Auftrag
  • Finanzielle Unterstützung bei der Schulbildung für die Mitarbeiterkinder und beim Hausbau
  • 1x/Jahr findet eine große Feier bei Afrikiko statt

Bildungsangebote:

  • Erste Hife Kurse
  • Verschiedene Bildungsprogramme
  • Afrikiko ist Weiterbildungsbetrieb:
    • Intensives Einarbeitungstraining
    • Ausbildung zu Schnitzer und Designern

Arbeitssicherheit:

  • Schutzkleidung
  • Mundschutz

Transparenz

  • Arbeitsverträge sind vorhanden
  • Ordnungsgemäße Lohnbuchhaltung ist vorhanden
  • SAR liegt vor

 

Monitoring

  • Durch persönliche Besuche in Tabaka (2008)
  • Überprüfungsgespräche während mehrerer Besuche in Deutschland
  • Mitglied bei:
    • Kenyan Federation for Alternative Trade (KEFAT)

 

Reiseberichte

Besuch 2008

Persönlicher Eindruck:

Ein Highlight unseres Aufenthalts in Kenia ist der Besuch in Tabaka. Sofort ist sichtbar, dass der Ort vom Speckstein lebt. In offenen Unterständen, vor und hinter den Häusern wird geschnitzt, geschmirgelt und gemalt. Wir werden im Office von Jonathan, dem Manager, empfangen. Es besteht ein großes Interesse an unserer Arbeit in Deutschland und der Idee des Fairen Handels. Unser Besuch gilt dann vor allem den einzelnen Werkstätten. Wir treffen auf ausgesprochen selbstbewusste Frauen und Männer. Alle Arbeitsschritte werden uns genau erklärt und vorgeführt. Wir sind beeindruckt von den Techniken, der Kunstfertigkeit und der Herzlichkeit der Menschen. Unaufgefordert wird immer wieder die Zusammenarbeit mit AFRIKIKO gelobt, die Zuverlässigkeit, die Kontinuität der Aufträge, die gesicherte Lebensgrundlage.

Wir erleben die Organisationsstruktur in Tabaka als ein vorbildliches System, Unternehmertum, Qualitätsmanagement und soziale Verantwortung miteinander zu verbinden. Ein Ansatz für Entwicklung, bei dem der eigenverantwortliche Mensch im Mittelpunkt steht.

 

Informationen/Texte

Zusammenfassung Afrikiko (Stand 02/2016)

 

Länderinformation

Informationen über Kenia

 

Fotos

 

Author: Janina Lange on 19. Mai 2016
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